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warten

Laß den anderen nicht warten und warte selbst nicht. Tue es sofort, sonst wirst Du es gar nicht tun - es wird später auf jeden Fall nicht mehr dasselbe sein.
Denk einmal über die Situationen nach, in denen Du Dich selbst vertröstet hast; in denen Du etwas deshalb nicht getan hast, weil Du zuvor noch etwas abwarten wolltest. Hast Du es dann je getan?
Oder - es gibt sie, die Beziehungen, in denen der eine sagt: "Wenn ich erst einmal mit mir im reinen bin, dann habe ich mehr Zeit für Dich" oder "Warte, bis ich das mit meiner Mutter geklärt habe, dann kann ich mich auf Dich einlassen" ... Ist es später dann so gekommen?
Warten lähmt Dich - es läßt Dich den Moment nicht leben. Befreie Dich. Es wird nichts dadurch besser, weil Du Dich oder andere warten läßt oder weil Du selbst wartest, derweil aber das Leben versäumst.
Wenn Du wirklich einmal sicher bist, dass Du erst zu einem späteren Zeitpunkt etwas tun oder unterlassen kannst oder willst, sag es nicht - tue es zu gegebener Zeit.



 




anfangen

Mache den ersten Schritt - das gilt vielfach:
Sogar wenn Dich jemand verletzt hat mache den ersten Schritt und verzeihe. Überlege Dir einmal die extreme Gegenposition - das ist Rache. Rache verselbständigt sich. Sie kann nichts ungeschehen machen und wird Dir auch keine Freude bereiten, aber macht Dich selbst zum Täter. Verzeihung macht Dich stark.

Alles was für Dich erstrebenswert ist erreichst Du nur, wenn Du anfängst und selbst einen ersten Schritt machst. Jeder Meister hat als Nichtkönner angefangen, er weiß das und wird sich nicht über Dich stellen.

Wenn Du glaubst Du bist deshalb einsam und unglücklich, weil sich niemand für Dich interessiert und bei Dir klingelt, dann liegst Du daneben. Du selbst musst anfangen und auf Deine Mitmenschen zugehen - suche viele Begegnungen mit anderen. Gehe vor die Tür.
Allein schon der Umgang mit anderen Menschen wird Dir Lebensfreude geben. Und nur so lernst Du allmählich die Menschen kennen, die Dir besonders gut tun.
Wenn Du nur auf den "Traumpartner" wartest, wird irgendwann Dein Bedürfnis nach Nähe übermächtig und Deine anderen Bedürfnisse in den Hintergrund drängen. Dann kannst Du nicht mehr unbefangen den Menschen begegnen, Dein Urteilsvermögen ist beeinträchtigt und Du bist viel zu sehr versucht sofort jemanden an Dich zu binden.



 




fertig

Es ist schon richtig heute und nicht erst morgen mit einem Vorhaben zu beginnen. Aber genauso richtig ist es, heute wieder aufzuhören und morgen weiterzumachen. Das was wichtig ist kommt immer wieder und wird nie vollendet sein.
Das Tun ist viel wichtiger als fertig sein. Beim Tun erleben wir uns, sammeln Erfahrungen, entwickeln uns und können Bestätigung und Freude erfahren - wir müssen uns nur darauf einlassen.



 




unwichtig

Nur wenig auf dieser Welt ist wirklich wichtig. Es ist nicht wichtig, dass Du recht hast oder recht behältst. Es ist nicht wichtig, wichtig zu sein ...
Lies einmal die ältesten Zeitungen die sich in Deinem Urlaub ungelesen angesammelt haben. Dann wird es klarer, wieviel angeblich wichtiges auf der ersten Seite in Wirklichkeit vollkommen unwichtig ist. Das sagte schon Goethe.
Betrachte einmal die materiellen Errungenschaften. Die meisten davon sind erst wenige Jahre oder Jahrzehnte alt. Die gesamte Menschheit konnte in der ungleich längeren Zeit vorher ohne sie auskommen - ohne dass die Menschen deshalb unglücklicher waren. Sicher vieles ist nützlich und angenehm - es ist aber auch dann Mittel und nicht Zweck.
Es gibt unglaublich vieles, was erstrebenswert scheint oder gemacht wird und wichtig genommen wird, aber Dich eher unglücklich macht oder gar zerstört. Der Wunsch nach Macht über andere gehört dazu.
Vieles wird Dir als Tugend und als besonders wichtig gerade von den Mächtigen verkauft, was in Wirklichkeit das genaue Gegenteil ist. Es ist keine Tugend, wenn ein Manager oder Politiker Dir sein Streben nach Macht und Ansehen, sein Taktieren, sein Verzicht auf Privatleben im "Dienst der Sache" als beispielhaft darstellt und es gleichermaßen von Dir verlangt. Wie erfährt er liebe- und freudvollen Umgang mit anderen Menschen? Wieviel Zeit und Streben verbringt er damit, wie wichtig ist es ihm? Woher nimmt er das Recht, Maßstab für Dich sein zu wollen?
Wenn jemand von Dir verlangt, dass Du, damit Du voran kommst, Tag und Nacht im Dienste der Sache eines anderen, einer funktionierenden Produktion, bereit bist und immer zur Verfügung stehst, auf Dein Privatleben und Deine Freiräume verzichtest, dann denk darüber nach wohin Du dann voran kommst.
Wenn Du meinst wichtig und mächtig zu sein wäre ein Wert an sich, dann stelle Dir einmal die Frage, wieviel Lebensinhalt Du noch hast, wenn Du einmal nicht mehr wichtig und mächtig bist? Betrachte einmal wieviel Wichtige und Mächtige, wie von einer Sucht getrieben, nicht mehr loslassen können.
Ich halte auf jeden Fall das Streben nach Liebe und Freude, das Streben nach einer gesunden Gesellschaft im gleichberechtigten Miteinander für ungleich wichtiger, als Gewinnmaximierung, als Menschen immer mehr nur noch als Produktionsfaktor zu betrachten (für welche Produktion? - wer profitiert davon?) und sie wie Schachfiguren zu benutzen.
Laß Dich nicht benutzen, wehre Dich. Bewerte selbst, was wichtig und unwichtig ist und vor allem verhalte Dich gegenüber deinen Mitmenschen so. Gestehe ihnen zu, selbst über wichtig und unwichtig zu entscheiden.
Zuviel Wichtiges belastet nur - entledige Dich, es macht Dich frei.
Im Zweifelsfall ist es nicht wichtig - anderenfalls wirst Du es tief in Dir spüren.